... und eines Tages kam der GIST

 

Manchmal geht es ohne Glück nicht weiter: Wenn Du schon als kleines Kind „den Westen“ nur knapp erreichst. Wenn Du als Soldat versehentlich auf dem Übungsziel einer Luftwaffen-Schießübung sitzt. Oder wenn Dir ein wunderbares Medikament in scheinbar hoffnungsloser Krankheit das Leben rettet. Helmut B. Gohlisch breitet ein buntes, oft lustiges, nur selten trauriges Panorama seines Lebens aus. Wer sich für das Leben im Deutschland der Nachkriegszeit interessiert, der wird hier viele hübsche Anekdoten und Begebenheiten finden. Wer zudem von den Kindertagen der Computertechnik, von treuen VW Käfern, von einem Starfighter im eigenen Garten und anderen kuriosen Dingen aus erster Hand erfahren möchte, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.

 

(Dr. Uwe Wolter)

 

Der gastrointestinale Stromatumor (GIST) gehört zu den sehr seltenen Krebserkrankungen. Bis vor etwa zwanzig Jahren bestand die einzige Behandlungsoption im Herausschneiden des Tumors, da Chemotherapie und Strahlenbehandlung keinen Erfolg brachten.

 

Als bei mir der GIST erkannt wurde, gab es glücklicherweise bereits erste Medikamente, die in gute Erfolge versprachen, auch wenn das Skalpell des Chirurgen nicht überflüssig wurde.

 

Das Buch behandelt aber nicht nur meine Erfahrungen mit dem GIST, sondern ...


..  besteht, wie mein ganzes Leben, aus vielen Kurzgeschichten. Es ist eine Biografie in 42 Kurzgeschichten über meine Jugendzeit, der Flucht in das andere Deutschland, der Arbeit und Arbeitslosigkeit und letztendlich das Arrangement mit dem GIST. Geschildert werden im letzten Teil des Buches Behandlungserfolge, Rückschläge und Erfahrungen und Tipps zu Nebenwirkungen der Medikamente.

Flucht und Neuanfang

 

Als ich im vorhergehenden Kapitel über die sinnlose Verschwendung der Farbe durch meinen Bruder und mich schrieb, wobei ich als der Ältere wohl die alleinige Schuld trage, erwähnte ich auch die mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln. Wir Kinder merkten nichts davon, aber meine Eltern mussten eine fünfköpfige Familie ernähren und erfuhren so täglich, wie schwierig es war, das Nötigste zu bekommen. Es war aber nicht nur die Knappheit der Nahrungsmittel und die 1953 wieder erhöhten Arbeitsnormen, die meine Eltern und die Menschen in der DDR ärgerten. Es war auch das Gefühl der ständigen Beobachtung und die Gewissheit, dass ein falsches Wort zur falschen Zeit am falschen Ort jederzeit einen massiven Eingriff in das Leben bedeuten konnte. ...

 

Inferno am Badestrand

 

... Wir hatten ja nicht viel auszupacken und gingen nach dem Waschen und Zähneputzen gleich ins Bett. An Schlafen war allerdings nicht zu denken, obwohl wir von der langen Autofahrt sicher müde waren. Noch weit bis nach Mitternacht gab es ein Hin- und Herlaufen im Treppenhaus und auf dem Flur und jeden Moment klappte irgendwo eine Zimmertür. Es ging zu, wie in einem Taubenschlag würde man sagen. Gewisse Geräusche aus Zimmern neben, über und unter uns ließen dann einen ersten Verdacht bei mir aufkommen, wo wir gelandet waren. Als der Wecker morgens klingelte, lagen wir schon wach im Bett und hatten kaum ein Auge zu gemacht. Nach dem Waschen und Anziehen suchten wir den Frühstücksraum. Die nette Dame an der Rezeption zeigte uns den Weg und wir landeten in ihrer Küche. ...

 

GIST Patientengruppe Hamburg

 

Die GIST-Patientengruppe Hamburg (vormals bezeichnet als Selbsthilfegruppe GIST) setzt sich zusammen aus GIST-Patienten und deren Angehörigen. Der Zusatz “Hamburg“ ist dabei nicht wörtlich zu nehmen, da wegen der geringen Anzahl Betroffener nicht überall GIST-Betroffene eine eigene Gruppe bilden können. In unserer Hamburger Gruppe kommen die Mitglieder (die Mitgliedschaft ist kostenlos) auch aus Niedersachsen, Bremen und Schleswig Holstein.

 

 

 

Ich bin dieser Gruppe Mitte 2015 nach längerem Zögern beigetreten, obwohl ich ja schon zehn Jahre GIST-Patient war. Ich verdanke es der Beharrlichkeit meiner Frau, dass ich mich dazu entschieden habe, an dem Treffen am 12. Juni erstmals teilzunehmen. ...