GIST, Gene und Mutationen

Taschenbuch Format A5, 500 Seiten,

ISBN 978-3752878011,

61 farbige Abbildungen,

Preis 28,90 Euro

 

Im BoD-Buchshop, allen guten Buchhandlungen und bei Amazon erhältlich.

 

Einige Vorabausgaben mit 464 Seiten sind beim Autor für 25,- Euro inkl. Versand erhältlich.


GIST - Eine seltene Tumorerkrankung

 

Unter allen bekannten Krebsarten gehört GIST, der gastrointestinale Stromatumor, zu den seltenen Krebserkrankungen. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 1000 bis 1500 Menschen neu an GIST. Die Zahlenangaben in verschiedenen Quellen schwanken leicht, liegen aber immer in diesem Bereich. Die ungeliebte „Chance“ an GIST zu erkranken liegt damit etwa 10 mal höher, als einen Millionengewinn im Lotto zu erzielen, denn im Jahr 2015 zum Beispiel gab es 115 neue Lotto-Millionäre. Und trotzdem hoffen alle diese Lottospieler, Millionär zu werden und ahnen dabei nicht, dass ihre Chance, an GIST zu erkranken vielfach höher ist. Und die „Chance“, eine weniger seltene Krebserkrankung zu bekommen, liegt noch etwa 100 mal höher. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie Ihre GIST-Erkrankung vor dem großen Lottogewinn bekommen haben. Aber trotz der geringeren Chancen gönne ich natürlich jedem von Ihnen, wenn Sie Lottospieler sind, einen schönen Gewinn. Denn auch wenn die Chancen sehr gering sind, trifft es ja doch jede Ziehung immer einige Mitspieler, die vielleicht nicht gleich Millionär werden, aber doch ein hübsches Sümmchen einstecken.

 

Biologie im Wandel

 

Begonnen hat die sogenannte moderne Biologie, die wir heute Molekularbiologie nennen, im Jahr 1943, wo der Physiker (kein Biologe) Schrödinger in Dublin über die Frage „Was ist Leben?“ diskutierte. Zur selben Zeit gelang in den USA einem Team aus Mediziner (Salvador Luria) und Physiker (Max Delbrück) der Nachweis, dass Bakterien nach einigen Generationen einen Angriff spezieller Viren (Bakteriophagen „Bakterienesser“ oder auch nur Phagen genannt) überlebten, weil sie durch eine spontane Mutation resistent geworden waren. Es hatte in den Bakterien eine genetische Veränderung stattgefunden, deren Ursache veränderte Moleküle waren. Ein Team um den Mediziner Oswald Avery konnte die chemische Identität der Moleküle bestimmen und fand heraus, dass es sich um Desoxyribonukleinsäure (DNS) handelt [63, S. 10]. Aber erst acht Jahre später gelang es den amerikanischen Biologen Alfred Hershey und Martha Chase 1952 nachzuweisen, dass mit solcher Nukleinsäure nicht nur eine bestimmte Eigenschaft, wie die festgestellte Immunität gegen Virenangriffe, sondern alle Eigenschaften von einer Generation auf die nächste übertragen werden. Bis dahin war unklar, ob Vererbung über Proteine oder die DNS stattfindet. ...

 

Wohin geht die Reise

 

Wenn vor hundert, zweihundert Jahren oder noch früher eine Wucherung (ob es Krebs war oder etwas anderes) Schmerzen verursachte oder entdeckt wurde, weil sie sichtbar war, dann gab es nur die Möglichkeit der chirurgischen Entfernung. Dabei ging es nicht gerade zimperlich vor. Da wurde je nach Ort des Geschwürs mit Messer, Feuer, Säure oder Lederbinden gearbeitet [16, S.82]. Auch wenn die Operation erfolgreich war, die Geschwulst also entfernt wurde und der Patient die Schmerzen überstanden hatte – eine Betäubung gab es noch nicht – kam es sehr oft zu Wundinfektionen, deren Ursache man damals aber noch nicht kannte. Viele Patienten starben dann schon kurz nach der qualvollen Operation. Und wer überlebte, bekam sehr oft nach einiger Zeit eine neue Geschwulst an gleicher Stelle oder auch woanders im Körper. Es gab noch kein medizinisches Wissen über den Krebs und seine Eigenschaften, Absiedlungen im ganzen Körper zu bilden, wenn man den Primärtumor nicht vollständig in der Entstehungsphase (also im Frühstadium) entfernen konnte. Als man später feststellte, dass neue Tumore oft am Rand des Gewebes entstanden, wo man zuvor den Tumor entfernt hatte, kam der Verdacht auf, dass es dort wohl noch kleinste Krebszellen gegeben hatte ...